6-Seen-Wedau: Verrückte Antworten der Leuchtturmleuchtmittelanwärterlehrlingsazubis in spe

Auf etlichen Seiten hatte die Stadtverwaltung die Einwände aus der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bauprojekt 6-Seen-Wedau plus ihrer Antworten zusammengestellt. Rund 300 DuisburgerInnen haben -gemäß Angaben der Stadt- Anregungen und Einwendungen eingereicht. Die verrücktesten Antworten will ich hier im Nachgang präsentieren, nachdem das Projekt kürzlich -mit entsprechenden Kommentierungen von mir auf DUISTOP- durch den Rat gewunken wurde:

( fett= Anregungen und Einwendungen / mager= Antworten der Stadt / kursiv= meine Kommentare )

 

An der Masurenallee werden Parkplätze wegfallen. Eine Uferpromenade mit Gastronomie wird aber u.U. mehr Besucher anlocken.

In 6-Seen-Wedau sind „zahlreiche Parkplätze für Bewohner und Besucher“ vorhanden. Pro sechs Wohneinheiten ist ein Besucherparkplatz eingeplant, entweder im öffentlichen Raum oder -z.B. im Seequartier- in Tiefgaragen. Besucher der Sechs-Seen-Platte können außerdem auf dem Strohweg und dem Kalkweg parken. Falls später mehr Parkplätze benötigt werden, müssen diese außerhalb des Neubaugebiets erfolgen.

Ach, wie stehts denn mit Behindertenparkplätzen? Und gerade die letzten beiden Sätze haben es mir angetan:  1. BesucherInnen können also auch gut und gerne mehr und länger laufen. 2. Wo bitte parkt man ausserhalb des Neubaugebietes ohne anderen dort den Parkplatz vorzuenthalten?

 

Durch das Neubaugebiet werden die umliegenden Straßen mit  zusätzlichem Verkehr belastet.

Die Stadt geht davon aus, dass die meisten Autofahrer aus Richtung Westen das Gebiet über Kalkweg/Wedauer Straße befahren werden. Nur im Feierabendverkehr, so die Annahme, dürften einige Autofahrer auf kleinere Straßen ausweichen. Die Stadt rechnet mit bis zu 110 zusätzlichen Fahrzeugen pro Stunde in den Straßen in Wedau. Insgesamt erlaubt seien bis zu 1.000 Kfz pro Stunde.

Der Kalkweg soll aber auch zum Parken dienen! Wie stehts es mit dem Verkehr am Morgen wenn alle losfahren und die vom UNI Campus kommen plus die Lieferanten für das Nahversorgungszentrum plus die Lieferdienste von Amazon und Co und die Kunden für das Nahversorgungszentrum und … die Müllabfuhr und … der ÖPNV und … 

Immerhin sind 1.000 Kfz pro Stunde machbar, dann kann ja nix schiefgehen.

 

Das Neubaugebiet soll autoarm / autofrei werden.

Für den Duisburger Wohnungsmarkt ist eine autofreie oder autoarme Planung unrealistisch. ÖPNV, Fuß- und Radverkehr sind eingeplant. Car-Sharing, E-Mobilität und weitere „zukunftsweisende Mobilitätsformen“ stellt der Bebauungsplan zwar nicht dar, „können aber an verschiedenen Stellen im Quartier realisiert werden.“

Warum ist vom Duisburger Wohnungsmarkt die Rede, hier geht es doch um 6-Seen-Wedau?

 

Das Nachversorgungszentrum ist zu weit nördlich geplant. Die Entfernung zum südlichen Bereich beträgt bis zu zwei Kilometer. Daher werden die Kunden mit dem Auto fahren.

„Das neue Nahversorgungszentrum liegt auch in einer akzeptablen Entfernung für Fußgänger und Radfahrer.“ Der Einzugsbereich solcher Zentren beträgt bis zu 800 Meter – innerhalb dieser Distanz befinden sich weite Teile Wedaus und ein Teil Bissingheims. Außerdem sind im Quartier sogenannte Convenience Shops erlaubt, so dass die Wohnungen in direkter Nähe versorgt seien. „Das neue Nahversorgungszentrum dient auch zur Versorgung von Wedau und Bissingheim und wird daher durch Pkw angesteuert werden.“ Das Zentrum befindet sich nahe der Hauptzufahrt des Geländes, um unnötigen Durchgangsverkehr zu vermeiden.

Im Süden ist man zwei Kilometer entfernt und der Umkreis für ein Nahversorgungszentrum beträgt bis zu 800 m, fehlen also 1,2 km? Meine Arme sind einen Meter lang! Ja und, die Kekse stehen doch in 1,10 m Entfernung, nimm sie Dir!

Convinience-Shops im Quartier? Sind das bessere Trinkhallen und kriegt man da auch Brokkoli?

 

Es werden zu viele Häuser gebaut.

Nur im Seequartier ist eine hohe Bebauungsdichte geplant. Bodensanierung, Lärmschutzwall und andere Maßnahmen erfordern hohe Investitionen, die die Verdichtung „aus finanziellen Gründen unverzichtbar“ machen. Die Dichte der Bebauung ist nötig, um den errechneten Bedarf von Wohnungsneubauten in Duisburg zu befriedigen. Viele Häuser sind aus Sicht des Bodenschutzes sinnvoll, da dort Brachflächen recycelt werden, statt Grün- oder Ackerflächen zu bebauen.

Und ich dachte eine Bodensanierung sei nicht notwendig, nun doch? Und was haben die Investitionskosten mit der Bebauungsdichte und Geschosszahl zu tun?

 

Die höchsten Gebäude werden ausgerechnet im Sichtfeld des Masurensees gebaut, das verschandelt das Gebiet.

Es sind maximal fünfgeschossige Gebäude vorgesehen. Nur einige Spitzen mit sieben Geschossen, zum Beispiel auf der Ecke der Promenade, sollten städtebauliche Akzente setzen. Der Rest der Bebauung liegt hinter Uferpark und Sportplatz und ist daher kaum sichtbar.

Ach ja, „Wohnen am See“ kann man auch im 7. Stock noch gut und teuer verkloppen. Selbst wenn man nicht auf den See gucken kann und in die andere Richtung wohnt. Bodenschutz durch viele Häuser ist auch ne wirklich ulkige Idee. War nicht letztens noch von der Forderung nach Entsiegelung von Böden die Rede? 

 

Es gibt zu wenig sozialen Wohnungsbau.

Es ist auch ohne verbindliche Festschreibung das Ziel, etwa zehn Prozent der Wohnungen als geförderten Wohnraum zu errichten.

Ohne verbindliche = unverbindliche, also auch weniger als 10% sind möglich. Mensch da will man Kasse machen und da kann man selbst im 7. Stock am See noch ordentlich draufschlagen, was sich ein Ottonormalverbraucher eben nicht leisten kann.

Der Lärmschutzwall wird künftig mehr Lärm Richtung Bissingheim reflektieren.

Der Lärmschutzwall ist hochabsorbierend, daher ist eine Erhöhung des Lärms auszuschließen.

Bitte mal Berechnungen in Sabin vorlegen. Ausserdem frage ich mich wie breit der Wall wird wenn er 15 m hoch sein wird. Das ist erstens eine Menge an verschwendeten Bauplatz und zweitens eine Menge Erde die man aufschütten muß. Wo kommt die Erde her? Aus dem Gelände, dann dürfte der Wall ja ev. eine Deponie werden? Und dann wäre man bei Abtragungen ja wieder näher an den möglichen Giftstoffen im Boden die sich nach unten verflüchtigt haben könnten.

https://www.lueft.de/laermschutz/ausfuehrungsvarianten/begriffe/erdwall/

 

Auf den Straßen im Umkreis wird sich der Verkehrslärm unzumutbar erhöhen.

Mehr Verkehr und dadurch mehr Lärm sind denkbar, bleiben aber unter der Zumutbarkeitsschwelle von 70 Dezibel am Tag und 60 Dezibel bei Nacht.

Ich empfehle mal einen kurzen Ausflug auf die Seite des Umweltbundesamtes (Oktober 2019):

https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/verkehrslaerm/strassenverkehrslaerm#gerauschbelastung-im-strassenverkehr

 

Die Bebauung ist zu dicht und führt zusammen mit mehrgeschossigen Häusern plus dem bis zu 15 Meter hohen Lärmschutzwall zu einer Veränderung der Luftschneise und dadurch zu bis zu zwei Grad höheren Temperaturen in den benachbarten Stadtgebieten.

Ein Gutachten hat ergeben, dass die Auswirkungen auf Luftschneise und Kaltluftleitbahn nur gering sind. Außerdem wird die Auswirkung beim Bau berücksichtigt. So sollen auf Parkplätzen Bäume gepflanzt werden und die Dächer begrünt werden.

Also wir in Bissingheim sehen die Sonne auf jeden Fall bei 15 m Wallhöhe abends früher untergehen. Und was das sog. Gutachten angeht, so kann man eigentlich nur begutachten was schon da ist. Ansonsten ist es lediglich eine Berechnung.

 

Fazit:

Ich schätze mal da soll richtig fett Kohle verdient werden, weshalb die Einwendungen auch niemanden bei der Stadt so wirklich interessieren. Deshalb wäre es schön mal zu erfahren was wir denn mit denen machen dürfen die das da oben abgesondert haben, für den Fall, dass alles ganz anders kommt: Viel Verkehr, viele Staus, viel Abgas und Gestank, viel Lärm, höhere Temperaturen usw.

Und ich würde wirklich liebend gerne -je eher desto besser- ein paar Amöben gegen ein paar Leute in der Stadtspitze tauschen.