In der letzten Woche erhielt ich einen ausführlichen Brief in dem etliche Missstände in bezug auf eine Duisburger Kultureinrichtung geschildert werden – u.a. von Machtmissbrauch ist die Rede.
Daraufhin habe ich die Verantwortlichen mit den Vorwürfen konfrontiert und bekam auch eine Antwort. Diese schickte ich weiter, woraufhin ich eine Entgegnung zurückbekam.
All dies werde ich weiter unten veröffentlichen, zuvor aber die Liste der laut duisburg.de offiziell von der Stadt geförderten acht Institutionen:
KOM`MA Theater
cubus kunsthalle
Archiv für alternatives Schrifttum
Kulturbunker Bruckhausen
Mercatorgesellschaft Verein für Geschichte und Heimat
Philharmonischer Chor
Lokal Harmonie
Kunstverein Duisburg
https://www.duisburg.de/microsites/kulturbuero-duisburg/foerderung/institutionelle-foerderung
Was ich für eine recht überschaubar geringe Anzahl halte. Und angesichts der Tatsache, dass ich mich ansonsten mit Kultur wenig befasse, vor allem aus Zeitgründen, eventuell nicht verwunderlich. Mit anderen Worten: Viel Neues wird es auch nicht geben, dass Anlässe bietet darüber nennenswert auf DUISTOP zu berichten. Aber das kann sich ja ändern. Zumindest die Vorweürfe haben mich sehr neugierig gemacht.
Also habe ich gleichzeitig den OB angeschrieben um mal nachzufragen was denn genau an den acht Institutionen so besonders förderwürdig ist. Hier also zuerst meine aktuelle Anfrage an die Stadt bzw. den OB:
Guten Abend Herr Link,
ich habe folgende Presseanfrage mit Kulturbezug:
Gemäß dieser Webseite
https://www.duisburg.de/microsites/kulturbuero-duisburg/foerderung/institutionelle-foerderung
fördert die Stadt Duisbzurg acht Kultur-Institutionen.
Dazu meine Fragen:
1. Warum diese acht und warum NUR diese acht?
2. Wie konkret sieht die jeweilige Förderung aus? Bitte jeweils eine kurze Liste.
3. Werden die Fördermassnahmen evaluiert, wenn ja, gibt es dazu Auswertungen, wenn nein, warum nicht?
Hinweis: Zu einer bestimmten Kultureinrichtung liegen mir Vorwürfe vor die ich Ihnen entsprechend weiterreiche – mit gesonderter Mail. Ich erbitte dazu eine kurzfristige Stellungnahme.
Gruss
DUISTOP
Michael Schulze
So und nun zuerst die Vorwürfe (Hinweis: Zum Teil gekürzt und unkenntlich gemacht!) :
Sehr geehrte Redaktion,
ich wende mich mit einem vertraulichen Hinweis an Sie, der aus meiner Sicht erhebliches öffentliches Interesse berührt. Ich bitte ausdrücklich um Schutz meiner Identität.
Es bestehen nach meiner Kenntnis und eigenen Beobachtung Hinweise auf mögliche systematische Unregelmäßigkeiten bei
[…] unter der Leitung von […].
1. Mögliche steuerlich relevante Praxis beim […]
Der […] stattfindende […] mit bis zu […] teilnehmenden Künstler:innen scheint in Teilen außerhalb transparenter Abrechnungsstrukturen abgewickelt zu werden. Verkäufe erfolgen nach meiner Wahrnehmung regelmäßig in bar; Künstler:innen erhalten im Nachgang Umschläge mit Bargeld. Eine nachvollziehbare Dokumentation in Form von Rechnungen, Quittungen oder Abrechnungsübersichten ist nach meinem Kenntnisstand nicht vorgesehen. Ebenso bleibt unklar, in welcher Höhe Provisionen einbehalten und wie diese verbucht werden. Ich habe diese Vorgänge bereits beim Zoll und Finanzamt gemeldet und hoffe, dem wird durch eine Steuerprüfung nachgegangen.
2. Hinweise auf arbeitsrechtliche Verstöße
Im Umgang mit (studentischen) Hilfskräften bestehen Hinweise darauf, dass grundlegende arbeitsrechtliche Standards nicht eingehalten werden. So wurde diesen nach meinem Eindruck vermittelt, dass ihnen aufgrund geringer Wochenarbeitszeiten kein Urlaubsanspruch zustehe. Ehemalige Mitarbeiter:innen könnten dazu mehr Hinweise geben.
3. Intransparente Auswahl- und Ausschlussmechanismen
Nach meiner Beobachtung erfolgt die Auswahl von Künstler:innen für […] nicht ausschließlich nach nachvollziehbaren, fachlichen Kriterien. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass Faktoren wie akademischer Hintergrund, persönliches Netzwerk oder Bekanntheitsgrad eine erhebliche Rolle spielen. Gleichzeitig sollen Bewerbungen von Künstler:innen abgelehnt worden sein, wenn diese zuvor auf anderen Kunstmärkten – also bei direkten Wettbewerbern – […] haben.
4. Umgang mit Ideen und Kooperationen
Mir sowie weiteren Beteiligten gegenüber wurde wiederholt geschildert, dass künstlerische oder konzeptionelle Ideen von Dritten aufgegriffen und ohne erkennbare Einbindung der ursprünglichen Ideengeber:innen weiterverwendet wurden. Dies betrifft sowohl Veranstaltungsformate als auch Produktideen.
5. Arbeits- und Kommunikationskultur
Mehrere Künstler:innen und Projektpartner:innen berichten von einem problematischen Umgangston. Dazu zählen abwertende Äußerungen über teilnehmende oder ehemalige Aussteller:innen sowie eine selektive Wertschätzung von Kooperationspartner:innen. In einzelnen Fällen wurde dies als diskriminierend oder ausschließend wahrgenommen.
6. Öffentliche Relevanz
Die Brisanz der geschilderten Punkte ergibt sich auch daraus, dass sich […] in einem Gebäude der[…] befindet und regelmäßig als Veranstaltungsort – auch für politische Akteur:innen – genutzt wird. Sollte sich auch nur ein Teil der Hinweise bestätigen, stellt sich die Frage nach Aufsicht, Kontrolle und dem verantwortungsvollen Umgang mit öffentlichen Ressourcen. Auch Persönlichkeiten wie Bärbel Bas haben sich für […] fotografieren lassen und bewerben die Einrichtung damit. […] suggeriert nach Außen, eine professionelle und relevante Duisburger Kultureinrichtung zu sein. Gespräche mit lokalen Künstler:innen und ehemaligen Mitarbeiter:innen offenbaren allerdings große Defizite, denen man nachgehen sollte.
Ich bin mir bewusst, dass es sich hierbei um schwerwiegende Hinweise handelt. Genau deshalb halte ich eine unabhängige journalistische Prüfung für notwendig.
Mit freundlichen Grüßen
Hier die Stellungnahme der mit den obigen Vorwürfen konfrontierten Kultureinrichtung:
Sehr geehrte Redaktion,
Lieber Michael Schulze,
auf anonyme Informationsgeber antworten wir grundsätzlich nicht. Den Verfasser oder die Verfasserin des Schreibens laden wir jedoch jederzeit gern zu einem persönlichen Gespräch […] ein, um etwaige Anliegen offen und direkt zu klären.
Die in dem Schreiben erhobenen Vorwürfe weisen wir im Übrigen entschieden zurück. Sie beruhen auf unbelegten Behauptungen und entbehren einer nachvollziehbaren Tatsachengrundlage.
[…] arbeitet in allen Bereichen ordnungsgemäß, transparent und im Einklang mit den geltenden rechtlichen Vorgaben.
Mit freundlichen Grüßen
[…]
Und hier die Entgegnung der Person die mir die Vorwürfe zusandte:
Guten Morgen Herr Schulze,
vielen Dank für Ihr Engagement und die Rückmeldung. Der Inhalt unseres Gesprächs bleibt natürlich vertraulich.
Es war zu erwarten, dass […] die Vorwürfe zurückweist. Niemand gibt gerne derartige Missstände und ein persönliches Fehlverhalten zu.
Ich möchte klarstellen, dass es mir hier auch nicht um die Diffamierung einer einzelnen Person geht. Vielmehr liegt mir die Stadt Duisburg und deren Bürger:innen sehr am Herzen. Skandale aus der Vergangenheit (DVV, Gebag, etc.) haben gezeigt, dass Menschen in verantwortungsvollen Positionen nicht immer verantwortungsvoll handeln und die Folgen daraus zu Lasten der Stadt, der Steuerzahler:innen und damit der Bürger:innen geht.
Leider lässt sich dieses Verhalten auch bei der […], insbesondere bei […] beobachten. Entgegen ihres Antwortschreibens, lehnt […] persönliche Gespräche über Missstände ab, weißt Vorwürfe systematisch zurück und baut auf Betroffene so viel Druck auf, dass diese sich scheuen, weitere Schritte zu unternehmen oder für ihr Recht einzustehen. Der Stadt Duisburg ist in diesem Fall eine dringende Prüfung in den Bereichen Finanzen (Abrechnung, Dokumentation, ordnungsgemäße Abgaben), Arbeitsrecht (Einhaltung und Dokumentation arbeitsrechtlicher Vorgaben) sowie Führungsstil von […] zu empfehlen. Dass die Verkäufe aus dem[…] beispielsweise bar und ohne Dokumentation abgerechnet werden, weiß ich aus eigener Erfahrung, da ich selber an einem […] teilgenommen habe. Weitere Teilnehmer:innen haben mir in Gesprächen diese Praxis bestätigt. Auch die anderen geschilderten Vorwürde sind teils eigene Erfahrung und/oder Erfahrungen von Menschen aus dem Umfeld […], mit denen ich persönlich gesprochen habe. Es darf nicht sein, dass wir hier eine, mit der Stadt Duisburg eng verwobene Kultureinrichtung haben, in der durch die Leitung der Einrichtung ein klarer Fall von Machtmissbrauch stattfindet.
Viele Grüße