Offensive vs. Notstand – Duisburger Parteien zum Klimaschutz

Der Ausruf des Klimanotstandes wurde kürzlich durch den Rat nicht vollzogen, die hiesige Groko setzt voll auf Offensive in Sachen Klima, die sie bereits 2017 in Form eines Schutz-Konzeptes beschlossen hat – besser gesagt „haben will“. Ein umfängliches Papier mit wenig Substanz, das hatte ich bereits in einem früheren Artikel kommentiert

Zur Zeit befragt die WAZ die hiesigen Parteien zu aktuellen Themen und diesmal ist der Klima- und Umweltschutz dran. Ich fasse mal die einzelnen Äusserungen wie gewohnt zusammen.

https://www.waz.de/staedte/duisburg/klimaschutz-in-duisburg-alles-nur-symbolpolitik-id226717499.html

CDU:

Klimanotstand sei Populismus, schade der Wirtschaft und bringe mehr Bürokratie.

Ey, letztens hatten Ihr doch noch Digitalisierung gefordert und die dürfte die Bürokratie doch beherrschbar machen, zumindest wenn Ihr sie nicht selbst und um Euret Willen verursacht.

Ach ja, dann noch der typische Schwafelsatz aus Omas Kaffeefilterresten von 1917 gefriemelt: Es ist wichtig, dass Klimaschutzkonzept von 2017 – schnarch – und alle relevanten Entscheidungen konsequent –schnarch– auf allen politischen Ebenen –schnarch und schwupps mit dem Kopf auf dem Schreibtisch aufgeschlagen.

Da ist es ja zielführender die Freitage abzuschaffen und schon seid ihr die demonstrierenden Kids los.

SPD:

Wir brauchen besseren Klimaschutz. Ach herrje, echt jetzt? Aber das Ganze soll sozial sein und Duisburg soll grüner Industriestandort bleiben. Die sagten wirklich GRÜNER?

Klimaschutz plus soziale Gerechtigkeit plus wirtschaftlicher Fortschritt, das ist die SPD-Formel.

Mehr als  1.500 Straßenbäume gegenüber 2011 und annähernd 92 Fußballfelder mehr Wald als 1990. Zu den Bäumen mal Folgendes: Die SPD zählt auch die Setzlinge mit und die Bäumchen und berücksichtigt nicht das Blattwerk. Mit anderen Worten: Für die SPD sind 1.000 Ein-Cent-Münzen viel Geld, mehr als ein Hundert-EURO-Schein, so rein zahlenmässig.

Und dann natürlich tutet sie ins selbe Horn wie die CDU: Klimaschutzkonzept von 2017 = Klimaoffensive.

 

Die Grünen:

Die Grünen beharren auf der Ausrufung des Klimanotstandes. Aber angeblich geht es nicht um Begriffe, dafür um die konsequente Anwendung und Umsetzung des 2017er-Konzeptes von SPD und CDU. Fatal: Die hiesige Groko habe noch nicht mitgekriegt, dass die Wirtschaft schon auf dem besten Wege sei. Es sei das strategische Ziel von ThyssenKrupp einen klimafreundlichen Stahlstandort zu schaffen. Ja sicher, Ziele hab ich auch und Papier ist geduldig.

Und die genannte Firma ist nicht die einzige die klimaschädlich emittiert. Was ist mit den anderen?

 

AfD:

Gute Umweltbedingungen ja, aber Klimahype nein. Duisburg als Stahlstandort bedrohen, mit härteren Auflagen, damit in Folge die betroffenen Firmen dann abwandern, das sei kontraproduktiv.

Und: Weniger Individualverkehr durch mehr guten ÖPNV wäre auch schon ein Gewinn für den Klimaschutz.

 

FDP:

Arbeitsplätze sind das wichtigste. Das größte Problem Duisburgs sei die  große Arbeitslosigkeit.  Deshalb darf keine Chance vertan werden Arbeitsplätze zu schaffen. Klimaschutz könnte den Firmen aber im Wege stehen. Und sogar soziale und kulturelle Projekte könnten ausgebremst werden.

Dann noch ganz im Sinne von Sunnyboy  Christian THE Lindner:

Man vertraut darauf, dass bestehende Techniken weiter entwickelt werden und neue Techniken geboren werden, die zur Verbesserung des Klimas führen. Ja das stimmt teilweise, denn man bastelt ja auch bereits an künstlichen Bäumen herum, also am Nachbau der Photosynthese.

Nur die restlichen Vorteile des Baumes muß man dann ein wenig vernächlässigen. Das merkt dann schnell der Specht, wenn der Schnabel brecht äh bricht. Wegen dem Stamm aus Metall oder Hartplastik.

Linke:

Statt weiterer Versiegelung neuer Grundstücke  müssten Brachflächen  reaktiviert werden. Die Erstellung eines Flächenkatasters(inkl. der Brachen) sollte ins Auge gefasst werden.

Anmerkung von mir: Ja und dann bitte auch eine Verseuchungskarte, aber gibt es das nicht längst irgendwie alles? Oder haben da nur bestimmte Leute Zugriff drauf? OpenData wirds zeigen – vielleicht. Dann sehen wir auch was die Stahlfirmen uns denn bisher alles hinterlassen haben, wo sie doch jetzt auf Öko machen.

Schadstoffbelastete Flächen müssten, wenn auch mit hohen Kosten belastet, aufbereitet werden. Dazu will man Mittel aus Düsseldorf.

Dach- und Fassadenbegrünung sowie Solartechnik  an/auf städtischen Gebäuden, Wohnhäusern und Gewerbeimmobilien werden gefordert. Wohnneubauten sollten an strikte Vorgaben für die Dämmung gekoppelt sein. Wiedereinführung der Baumschutzsatzung. Apropos da fällt mir, steht denn die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung nicht in dem 2017er-Klimaschutzkonzept von SPD und CDU?

 

JungesDuisburg/Dal:

Moderner Baumschutz(Wie geht unmodern?), ein Aufforstungsprogramm, sichere Fahrradabstellanlagen, Gleisbettbegrünung, Urban Gardening, Vertical Farming. Geile Vorschläge die sich auch im Wahlprogramm von 2014 unter Umweltschutz zum Teil finden  lassen. http://junges-duisburg.de/wahlprogramm-2014

Geht noch mehr? Ja sicher, da genügt ein Blick in die Liste für SmartCity bei Wikipedia:   https://de.wikipedia.org/wiki/Smart_City

Nur einen Haken hat das Ganze und das steht auch bereits zwischen den Zeilen im 2014er-Wahlprogramm: Die Bestimmer in Duisburg, die interessiert das alles einen Scheiß.  Deshalb schlage ich an dieser Stelle vor, wenngleich ich das auch schon weiter oben hätte tun können (bei Grüne, FDP, Linke),  Ihr setzt Euch mal ganz konkret und persönlich für diese Dinge ein, da wo Ihr es bereits ganz praktisch (=in der tgl. Praxis) könntet, also ausserhalb des Rates, wo Ihr bisher immer überstimmt werdet.

Zum Beispiel Oliver Beltermann:

https://www.companyhouse.de/Oliver-Beltermann-Duisburg

https://www.duisburg.de/vv/produkte/pro_du/dez_i/20/beteiligungsbericht.php.media/76653/Beteiligungsbericht_2017.pdf

Oder Stephan Wedding der zB im Verwaltungsrat der Sparkasse sitzt. Der könnte doch mal anregen die Sparkasse möge sichere Fahrradabstellanlagen, Urban Gardening und Vertical Farming bei den neuen Kompetenz-Zentren umsetzen.

Ach ja und beide Herren könnten sich stark machen für ÖPNV-Tickets statt Dienstwagen. Schreibt doch mal einen gemeinsamen Artikel für DUISTOP oder für die WAZ und RP und fordert genau das!!! Ihr seid doch jung und dynamisch. Herr Beltermann ist scheinbar noch ohne familiären Anhang, kann also richtig was wagen.

 

HSV-Fraktion:

Klimaschutz müsste oberste Priorität haben. In Duisburg sei das jedoch alles ideenlos und nur ein Appendix der Politik und Verwaltung. Eine Industrie- und ein Logistikstadt brauche dazu eine  enge Zusammenarbeit mit der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung.

Tja, alles schön und gut, aber wie soll das praktisch gehen?  Nehmen wir nur mal die Logistik. Wir ersticken quasi am LKW-Verkehr, doch gab es von Seiten der Politik und Verwaltung iregendwann dazu mal ein kritisches Wort. Ich hätte längst mal den DUISPORT-Chef Staake zum Rapport einbestellt. So wie ich es aber hinter vorgehaltener Hand öfters höre, bestellt Herr Staake ein.

Der heilige Gral Logistik scheint hier in Duisburg unantastbar, ist aber Teil des Problems und nicht der Lösung.

Den Laden den Staake leitet sollte man mal komplett unter die Lupe nehmen. Z.B. ob es den wirklich stimmt, dass es eine so bedeutende Wertschöpfung gibt plus so viele Arbeitsplätze usw. Ich habe da echt meine Zweifel. Denn wieviel kosten uns die Schäden und der Verlust an Attraktivität?

2 Antworten auf „Offensive vs. Notstand – Duisburger Parteien zum Klimaschutz“

  1. Wenn man für jeden Arbeitsplatz dankbar sein müsste, warum wurden dann die 3 Arbeitsplätze für die Baumschutzsatzung gestrichen?

    Oder sind Arbeitsplätze bei der Stadt Duisburg nichts wert?
    Entbürokratisierung ist ein anderes Wort für die Abschaffung von Arbeitsplätzen.

    Und wie viel von dem angeblichen Wald existiert nur auf dem Papier? Ich habe vor einiger Zeit von einem Eigentümer einer Wiese gehört, dass die Stadt diese einfach zu Wald erklärt hat. Rechtlich höchst fragwürdig.

    1. Na ja im Rathaus findet man ja auch noch einiges an ehemaligem Wald in Form von Holzmobiliar. Vllt. könnte man auch Teile des Rathauses zu Wald erklären?