Grünflächen weg, Amazon hin, alles gut!!!

Burkhard Landers, Präsident der Niederrheinischen IHK und sein Kollege Hauptgeschäftsführer Dr. Stefan Dietzfelbinger, das Dreamteam der hiesigen Industrie- und Handelsszene, hat sich aktuell, aufgrund des Ruhrlageberichts und des Regionalplans vom Regionalverband Ruhr (RVR), zum Flächenbedarf in Duisburg geäußert. Laut Regionalplan seien nicht ausreichend Flächen für gewerbliches Wachstum enthalten. Es würden 25 Prozent weniger Flächen für die Wirtschaft ausgewiesen als nötig sind. Meinen die beiden, Zahlen dazu liefern sie nicht und werden scheinbar für solche Verkündigungen auch nicht benötigt, wohl  von der RP auch nicht nachgefragt.

https://rp-online.de/nrw/staedte/duisburg/ruhrlagebericht-niederrheinische-ihk-fordert-mehr-flaechen-fuer-gewerbe_aid-35997189

Der Artikel  liest sich wie ein Ausschnitt aus dem Ansiedlungsbuch des Grauens, formuliert von 1. Semestern im Fach Stadtentwicklung an der Donald-Duck-Uni in Trumphausen.

Beide gehen scheinbar der Einfachheit halber davon aus, dass man nur weiter Grossflächen für die Logistik braucht, was ja geradezu typisch für das monothematische Wirtschafts-Gelaber und -Gehabe in Duisburg ist.

Dabei wird auch um Amazon getrauert, das seinerzeit statt nach Duisburg nach Rheinberg ging. Dort wird nun zu Logistik- und nicht zu Einzelhandelstarifen kommissioniert. Und die Zahl von 3.000 Beschäftigten halte ich auch für übertrieben. In den Spitzenzeiten der Weihnachtszeit sind es vllt. so viele. Ich habe aber keine aktuellen Zahlen gefunden. Hier müsste mal der Faktencheck ran. Dass Jeff Bezos aber auch ein grosser Freund des Einsatzes von Robotern ist, wird wohlwollend gänzlich ausser acht gelassen.

Was mich aber am meisten auf die Palme bringt ist die Tatsache, dass Duisburger Grünflächen geopfert werden sollen. Das ist scheinbar besser, simpler und billiger anstatt Brachflächen -die vllt. verseucht sind- aufzubereiten.

Wenn dann diese Grünflächen auch versaut sind, nimmt man einfach frische neue. Wir haben sie ja. Wie wär’s denn mal damit: Denen, die die Flächen versaut haben auch die Kosten fürs Versauen aufs Auge zu drücken. Steht übrigens im Gesetz. Man nennt das Verursacher-Prinzip.

Aber is‘ klar liebe Freunde, was schert die beiden schon die gute Luft und vllt. auch die Freizeitmöglichkeiten von uns Duisburgern. Wir können ja in einem Golfclub mit Resortcharakter im Sauerland Mitglied werden, da gibt’s dann grün(green) satt. Apropos: Das kann man sich natürlich nur leisten, wenn man bei der Duisburger IHK im MÄNÄTSCHMENT arbeitet und sich mit sechs Leuten rund 800.000 EURO pro Jahr teilen muß, Dienstwagen aussen vor.

Das Ganze ist so bescheuert wie das Verhalten mancher Zeitgenossen die im Hotel ein Dusch-Handtuch nicht auch zwei- oder dreimal nutzen können.

Dass Duisburg die Grünflächen aber auch braucht um ev. High Potentials aus den HighTech-Branchen,  wenn sie denn überhaupt mal an Duisburg als Arbeitsort denken, anzulocken, daran denken die beiden Oberschlaumis nicht. Für die ist nämlich die sog. Work-Life-Balance nicht ganz unwichtig.  Finde ich persönlich teils übertrieben, aber wer Duisburg nicht liebt und von ausserhalb kommt, der muß eben anders geködert werden.  Das gilt übrigens auch für die Qualität der City, der Schulen und Kindergärten usw.

So wird am Ende Duisburg komplett versiegelt und zubetoniert sein, LKWs fahren, stehen wo man nur hinschaut, in den menschenleeren Riesenhallen surren die Bots, und wir spielen ab und zu für’n Hunni am Tag in einer gescripteten TV-Serie bei RTL II mit. Wenn wir nicht in einem der vielen Duisburger CallCenter die Bestellungen … ach Scheisse, das macht ja auch bald ’n Robbie.

Die beiden Schlaumeier von der IHK sind dann längst an den Niederrhein gezogen, wo es noch schön grün ist, falls dort nicht auch schon ähnliche Typen Amazon ein unschlagbares Angebot gemacht haben um auch dort einen Riesenumsatz zu machen, wenig Lohn zu zahlen und Steuern zu sparen.  Das wär dann Pech.

So, und jetzt wird mir übel. Tschüss.

 

 

 

Eine Antwort auf „Grünflächen weg, Amazon hin, alles gut!!!“

  1. In Duisburg gibt es zahlreiche Deponieflächen, die auch von Betrieben genutzt werden könnten. Etwa die von Sachtleben (heute: Venator).

    Und in Rheinhausen ist ja im Regionalplan auch eine riesige Fläche für Gewerbe (vermutlich Logistik) vorgesehen, die wertvolle Ackerfläche vernichtet.