Neubaugebiet in Wedau – Wie verseucht ist das Gelände tatsächlich?

In den letzten Monaten habe ich mehrfach versucht bei involvierten Stellen Informationen über den tatsächlichen Verseuchungsgrad in Wedau auf dem alten Bahngelände zu erhalten. Vergeblich. Auch Anfragen beim Bezirksbürgermeister und seinen beiden Stellvertretern ergaben nichts.

Zwei Gutachten von der Fa. Landplus aus 2016 und 2017 sollen vorliegen, aber die Inhalte sind anscheinend nicht zugänglich, lediglich die Ergebnisse. Und wen wundert es: Alles in Ordnung in Wedau in Sachen Boden. Doch Zweifel sind angebracht.

Der Grund warum ich heute nochmals nachdrücklich daran erinnern möchte, bezieht sich auf ein aktuelles Glyphosat-Urteil aus den USA. Dort hat ein krebskranker Hausmeister erstinstanzlich einen Schadenersatz in so größer Höhe zugesprochen bekommen, dass nun die Diskussion um das Unkrautvernichtungsmittel von Bayer (früher von Monsanto) erneut entbrannt ist. Die Bayer-Aktie verlor gestern 10% an Wert.

Was hat das mit Wedau zu tun? Nun, gerade auf dem Gelände des Ausbesserungswerkes befanden sich über hundert Jahre lang sehr viele Schienenstränge nah beieinander – zum Rangieren. Um Schienstränge von Pflanzenbewuchs frei zu halten setzt(e) die Bundesbahn Unkrautvernichtungsmittel ein. Früher war mal die Rede von Agent Orange, heute bzw. seit einigen Jahren von Glyphosat. Ich habe dafür keine Belege, was ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen will, aber Auskünfte dazu bekomme ich auch nicht.

Ich gehe allerdings nicht davon aus, dass die Schienstränge in Deutschland regelmässig per Handarbeit und durch auszupfen freigehalten wurden bzw. werden. In Wedau dürften sich also im Laufe der Zeit grossflächig hohe Konzentrationen im Boden angesammelt haben. Plus der sonst noch dort wahrscheinlich vorzufindenden typischen Belastungen mit Blei, Cadmium und PCB etc.

Auch die vielen Bahnschwellen, früher aus Holz, wurden zum Witterungsschutz nicht in Seifenlauge oder Essigessenz getunkt. Die Auswaschungen dürften sich im Boden wiederfinden.

Apropos Messungen/Bodenproben: Interessant auch, dass nirgendwo verbindlich vorgeschrieben wird wieviele Messungen/Bodenproben z.B. pro ha durchzuführen sind. Bei 90 ha wie in Wedau dürfte eine Messung/Bodenprobe sicher nicht ausreichen.

Was die mangelnde Auskunftsbereitschaft angeht, so sei an dieser Stelle nur folgender Hinweis gestattet: Sie macht verdächtig. Den Verantwortenlichen rate ich daher besser mit offenen Karten zu spielen.

3 Antworten auf „Neubaugebiet in Wedau – Wie verseucht ist das Gelände tatsächlich?“

  1. Was die mangelnde Auskunftsbereitschaft angeht, gehe ich mit Ihnen – Herr Schulze – konform.
    Es stinkt zum Himmel, oder besser ausgedrückt: es wirkt in den Boden.
    Wie die Stadt mit Altlasten von Grundstücken umgeht, dokumentiert am besten die Story vom Wambachsee. Die Stadt hatte zur Aufbesserung ihrer Kasse ein Grundstück (in drei Teile parzelliert) für ca. 1,2 Mio € verkauft. Leider hatte sie die Altlasten der Duisburger Kupferhütte dortselbst „vergessen“.
    Aber lesen Sie selbst:
    https://www.waz.de/staedte/duisburg/sued/tonnenweise-belasteten-boden-am-wambachsee-ausgetauscht-id11480797.html

    Auf einen einfachen Nenner gebracht: Gier frisst Hirn = Auskoffern frisst Verkaufserlös.
    Wenn das Resultat dieser Aktion letztendlich ein Nullsummenspiel war, dann kann sich die Stadt noch glücklich schätzen.

    1. In Wedau soll der Mist ja in den Lärmschutzwall von 15 Metern Höhe.
      Mal gucken ob sich die vielen Stoffe miteinander vertragen und auch da bleiben wo sie hinverfrachtet werden – und nicht im Grundwasser auftauchen!!!

      Interessant wäre auch zu wissen ob finanziell tatsächlich nach dem Verursacherprinzip verfahren wird. Ich denke aber am Ende bleibts an uns Steuerzahlern hängen.

  2. Bezüglich Pflanzengifte habe ich bereits 2012 die Bahn angefragt. Habe das als Link/Webseite eingefügt.

    Die Bahn nutzte damals u.a. Glyphosat.

    Man kann sich m.W. einen kostenpflichtigen Auszug aus dem Altlastenkataster der Stadt besorgen.