Zwangsräumungen: Aufruf gegen Duisburger Verwaltungs-Willkür und -Vergrämungspolitik

Aufruf von Katrin Susanne Gems

Liebe „Bruckhausener“, Liebe „Marxloher“, Liebe „Duisburger“,

in dieser Woche hat die „Task Force Schrottimmobilien“ der Stadt Duisburg zwei Häuser in Marxloh geräumt und 174 Menschen obdachlos gemacht.

Bereits vor 1 1/2 Jahren waren Nachbarhäuser der nun geräumten Gebäude auf dieselbe Art geleert worden und wir hatten uns mit den Bewohnern der Häusern, von denen einige schon mehrfach „geräumt“ worden waren zur „Initiative Marxloher Nachbarn“  zusammengeschlossen, um den Menschen eine Stimme zu geben und ihnen Schutz vor der staatlichen Willkür durch größtmögliche Öffentlichkeit zu bieten. Der Petershof in Marxloh bietet den Roma seit Jahren Unterstützung und viele Mitarbeiter und Helfer unterstützen die Menschen, die Behörden gegenüber hilflos dastehen mit ihrer Arbeit und bot auch unserer Initiative einen Ort uns zu versammeln. ich möchte mir nicht vorstellen, wie es den Rumänen und Bulgaren in Duisburg ohne diese Unterstützung ginge. Die Stadt Duisburg tut jedenfalls nichts, um den Menschen zu helfen, hier Fuß zu fassen. Im Gegenteil hat sie die Räumungen aus „Brandschutzgründen“ erfunden, um die Roma aus Bulgarien und Rumänien zu „vergrämen“ – so lautet die inoffizielle Bezeichnung des Vorgehens in Rathauskreisen. Das ist nichts weniger als Rassismus, der sich in Gewalt gegen Menschen äußert. Zwar wird niemand geschlagen, ich kann es aber nur Gewalt nennen, wenn Familien innerhalb von Stunden aus ihrer Wohnung geworfen werden, Mütter mit kleinen und größeren Kindern, alte Leute, kranke und gebrechliche Menschen. Ich habe diese Menschen 2017 kennengelernt, Menschen, die es gewöhnt sind, vertrieben und verachtet zu werden, die um ihr ganz kleines bisschen Glück kämpfen und nur sich wünschen nur einfach einmal bleiben zu  dürfen. Ich habe die Angst in den Augen der Menschen gesehen und ich vergesse nicht, wie Gülsen, die ich auch fotografiert habe, in der Versammlung fragte, warum sie nur so gehasst werden, warum man ihnen das antut. Nach der Räumung vorgestern und einer Demonstration vor dem Rathaus gestern, haben sich nun endlich auch Politiker und Wohlfahrtsorganisationen mit den Roma solidarisiert und Protestschreiben gegen die Räumungsaktionen an den Duisburger OB geschickt, der gerne ins rassistische Horn stößt, die Schreiben hängen der Email an.

Sylvia Brennemann, maßgeblicher Teil der Inititaive und unermüdliche Bürgerechtlerin, die im Petershof täglich mit den Problemen der Rumänen und Bulgaren beschäftigt ist und ihre ganze Kraft einsetzt, um zu helfen, war auch bei der Räumung vorgestern dabei. Ihren Augenzeugenbericht hat Sie in der Rede auf der Demonstration vor dem Rathaus vorgetragen, sie ist hier zu sehen und zu hören: http://bruckhausen.blogspot.com/2019/04/zwangsraumung-in-der-rudolfstrae-rede.html

Hier ein paar kurze Zitate aus der Rede, die deutlich machen, worum es geht:

„Gegen 8 Uhr ist das Ordnungsamt mit nem großen Polizeiaufgebot und Kräften von Feuerwehr und Jugendamt in die Rudolfstraße eingerückt, haben sich mit Gewalt Zutritt zu den Wohnungen verschafft, haben alle Papiere kontrolliert, Ausweise und alle diese Geschichten und haben daraufhin den Mietern und Vorgabe verschiedenster Gründe erklärt, dass die Wohnungen geräumt würden und ihnen allen ne Frist zwischen 11 Uhr und 15 Uhr gesetzt wird um ihr Hab und Gut zusammenzusammeln und die Wohnungen zu verlassen. Die Mieterinnen, ich kann es fast nicht emotionslos sagen, es sind viele der Betroffenen vor Ort zusammengebrochen, alte Leute, die schwer erkrankt sind, die nicht mehr wussten was denn jetzt als nächstes kommt. Eine unserer Betroffenen, Oma Luza, ist inzwischen fast 80 Jahre alt, sie ist gerade von der dritten Zwangsräumung betroffen und hat mir gestern erklärt, sie würde lieber sterben, sie sei eh nur Zigan und es hätte keinen Sinn mehr, auf dieser Welt zu sein. Viele weinende Frauen, die auch nicht wussten, wohin, in aller Eile, weil man auch gar nicht genug Kisten und Koffer auftreiben konnte, in Müllsäcken die Habseligkeiten zusammen sortiert.“

„Die Polizei, das Ordnungsamt und auch die Vertreterinnen der Stadt Duisburg haben eigentlich behauptet natürlich in humanitärer Absicht dort vor Ort gewesen zu sein.(Haben aber) mit wirklicher, großer Menschenverachtung, mit Häme, zynisch und in Teilen hochgradig rassistisch uns erklärt, was mit den Leuten passieren soll. Bemerkungen wie: Sollen einfach nach Rumänien zurückgehen, als jemand sagte, sie hat ja ein krankes Kind, das an einen Monitor angeschlossen werden muss, wurde gesagt: Dann gib dein Kind zur Adoption frei. All diese Geschichten, all diese Worte sind gefallen, die man natürlich im Nachgang gegen die Behörden kaum juristisch verwenden kann, aber ich finde, dass diese Sachen an die Tagesordnung gehören, die müssen gesagt werden, die müssen genannt werden. Das, was da passiert ist, trieft vor Menschenverachtung und hat mit humanitärer Geste genauso viel zu tun, wie der Mond hier auf der Erde liegt…Es ist völlig absurd, die Behauptungen sind einfach nur gelogen und niederträchtig. Die Häuser sind inzwischen versiegelt. Wir haben dann mehrere Beamte und so weiter gefragt, was denn der Grund der Räumung ist. Es gab mehrere Gründe,die uns genannt wurden, manche Polizeibeamte erzählten einfach nur, naja, da wären zuviel Ratten, da müsste man mal zu machen, der nächste behauptete, dass die Gebäude einsturzgefährdet seien und dann gab’s von offizieller Stelle zuerst natürlich die Frechheit, dass ich gar kein Recht hätte zu erfahren, warum geräumt würde, die Betroffenen seien frühzeitig informiert worden und hätten sich längst andere Wohnungen suchen können, all das ist natürlich gelogen.“

Auch in den „sozialen Medien“ sind jede Menge widerlichster Kommentare zu lesen, es ist offensichtlich, dass Roma in Deutschland noch immer nicht als Menschen wahrgenommen werden und man nach Belieben auf ihnen herumtrampeln kann. Die Sprüche erinnern mich aufs furchtbarste an die Relativierung faschistischer Verbrechen. Biedermann und die Brandstifter … Ich möchte in einem Staat leben, der die Schwachen schützt, nicht in einem, der sie fertig macht. Die Duisburger „Vergrämungspolitik“ darf nicht geduldet werden. Ich bitte hiermit alle die in der Lage sind, für Öffentlichkeit zu sorgen, unsere Inititiative zu unterstützen und der „Task-Force Schrottimmobilien“ das rassistische Handwerk zu legen.

Noch ein Link zu dem sehr guten Bericht von Anna Ernst vom  01.01.2018 WAZ zu den damaligen Räumungen: https://www.waz.de/staedte/duisburg/nord/weggeraeumt-das-leben-der-rumaenen-und-bulgaren-in-marxloh-id212974281.html?fbclid=IwAR3_YcVGQfbrR9RClZ8HaKY66GGMC1_7dzz0m1pr-RV7eQSJh9aBf4rCTtM

Mit herzlichen Grüßen aus Du-Nord

Katrin Gems

2 Antworten auf „Zwangsräumungen: Aufruf gegen Duisburger Verwaltungs-Willkür und -Vergrämungspolitik“

  1. Vielleicht sollte man härter gegen die Bruchbudenvermietenden vorgehen.
    Etwa indem man die Leute aus dem Gebäude herausholt und in ein Hotel auf Kosten der Vermietenden einquartiert.
    Wenn die nicht zahlen können, kann man direkt das Haus beschlagnahmen.

    Oder gehören die am Ende alle diesem Conle?