Zuletzt hatte ich vor ein paar Wochen berichtet, dass ThyssenKrupp in Bezug auf die Stahltochter TKS mit der indischen Jindal Steel über eine Übernahme verhandelt.
Nun, da sich angeblich die Bedingungen im Stahlmarkt zum Positiven geändert haben, will der Essener Konzern lieber noch warten und bricht deshalb die Verhandlungen ab.
Diese drei Gründe werden offiziell genannt:
Den mit der IG Metall abgeschlossenen Sanierungstarifvertrag für Steel Europe (TKSE). Er bedeutet für die verbleibenden rund 15.000 Beschäftigten deutliche Lohn-Einschnitte von rund 10 Prozent, was den heimischen Stahl wieder profitabler macht.
Den Ausstieg bei HKM (Hüttenwerken Krupp Mannesmann). TKSE ist mit 50 Prozent noch größter Anteilseigner, hat sich mit den anderen (Salzgitter 40 Prozent, Vallourec 20 Prozent) Eigentümern aber auf einen Ausstieg geeinigt. Bereits ab Juni geht das Stahlwerk zu 100 Prozent an Salzgitter. ThyssenKrupp wird dadurch seine Abnahmeverpflichtung von HKM-Stahl wesentlich früher los.
Die lang erwartete EU-Hilfe, genauer gesagt den Schutz vor Dumpingimporten aus Asien wird umgesetzt. Die Schutzzölle werden auf 50 Prozent verdoppelt und gleichzeitig die bisher zollfreien Importkontingente halbiert. Dass ausserdem auch der Import von russischen Brammen verboten wird, verbessert die Marktchancen zusätzlich.
Marktbeobachter vermuten, dass ThyssenKrupp weiterhin an einem Verkauf der Stahlsparte interessiert ist, aber den künftigen Kaufpreis höher ansetzen will.
